Spielanleitung des Müllquartettes
Egal, ob ihr das Müll-Quartett gerade zum ersten Mal in der Hand habt oder gemeinsam zu eurer ersten Cleanup-Challenge startet: Hier findet ihr alle Regeln, Spielmodi und Erklärungen zu den einzelnen Kartenwerten.
Ihr könnt das Quartett klassisch gegeneinander spielen oder es mit nach draußen nehmen und beim gemeinsamen Müllsammeln einsetzen. In den folgenden Abschnitten erklären wir euch Schritt für Schritt, wie die beiden Spielmodi funktionieren und was hinter Kategorien wie Welt-Gesundheitspunkte, Schadstoffe, Abbauzeit und Recycling-Infrastruktur steckt. 🎒🃏
So könnt ihr nicht nur gegeneinander antreten, sondern gleichzeitig mehr über verschiedene Müllarten, ihre Eigenschaften und ihre Auswirkungen erfahren.
Schnappt euch euer Müll-Quartett und los geht’s 👇
Inhaltsangabe
- Der Vergleichskampf
- Die Müll-Detektive
- Die Schadenspunkte
- Welt-Gesundheitspunkte
- Schadstoffe
- Abgebaut in …
- Recycling-Infrastruktur
Die Karten-Fakten im Überblick
Welt-Gesundheitspunkte:
Stell dir vor, die Erde hätte wie in einem Spiel eine Gesundheitsleiste mit 9 Punkten. Für das Müll-Quartett haben wir daraus die Welt-Gesundheitspunkte (KP) entwickelt.
Die Idee orientiert sich am wissenschaftlichen Konzept der neun planetaren Grenzen. Das Konzept beschreibt neun miteinander verbundene Prozesse des Erdsystems, darunter Klimawandel, Veränderungen des Süßwassers, die Integrität der Biosphäre und die Belastung durch neuartige Stoffe. Innerhalb dieser Grenzen soll ein möglichst sicherer Handlungsraum für die Menschheit erhalten bleiben. Werden Grenzen überschritten, können die Risiken für die Stabilität des Erdsystems steigen.
Wichtig: Die Welt-Gesundheitspunkte auf unseren Karten sind eine für das Spiel entwickelte und vereinfachte Bewertung. Sie sind keine offizielle wissenschaftliche Messgröße der planetaren Grenzen.
Die neun planetaren Grenzen hängen außerdem miteinander zusammen. Veränderungen in einem Bereich können andere Bereiche beeinflussen. So kann beispielsweise die Abholzung von Wäldern gleichzeitig Auswirkungen auf das Klima, die Landnutzung und die biologische Vielfalt haben. Die Forschung betrachtet diese Grenzen deshalb als miteinander verbundene Prozesse.
Bei einem Produkt entstehen Auswirkungen über den gesamten Lebensweg – von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung. Im Müll-Quartett konzentrieren wir uns bewusst auf die Phase, in der ein Gegenstand als Abfall in der Umwelt zurückbleibt.
Welche Auswirkungen Müll dort tatsächlich hat, hängt unter anderem von Material, Menge, Ort und Umgebungsbedingungen ab. Deshalb lassen sich unterschiedliche Müllarten nicht immer mit einem einzigen wissenschaftlichen Wert vergleichen.
Für unsere Spielwerte nutzen wir verfügbare wissenschaftliche Erkenntnisse und Fachquellen. Wo keine direkt vergleichbaren Daten vorliegen, ergänzen wir diese durch nachvollziehbare Einschätzungen. So entsteht eine vereinfachte Bewertung, mit der sich die verschiedenen Müllarten im Spiel miteinander vergleichen lassen.
Die 9 Schadenspunkte sind eine spielerische, vereinfachte Bewertung, die sich an den 9 planetaren Grenzen orientiert und verschiedene Müllarten im Spiel vergleichbar macht.
Schadstoffe:
Schadstoffe sind Stoffe, die Menschen, Tiere, Pflanzen oder Ökosysteme schädigen können. Entscheidend ist dabei nicht nur, welcher Stoff vorhanden ist, sondern auch in welcher Menge, wie lange er in der Umwelt bleibt und wie stark Menschen oder andere Lebewesen ihm ausgesetzt sind.
Einige besonders langlebige Stoffe können sich in Organismen anreichern. Dies bezeichnet man als Bioakkumulation. Über die Nahrung können bestimmte Stoffe außerdem innerhalb eines Nahrungsnetzes weitergegeben werden. Das gilt jedoch nicht für jeden Schadstoff und nicht für jede Chemikalie.
Produkte können aus verschiedenen Materialien bestehen und Zusatzstoffe wie Farbstoffe, Weichmacher, Beschichtungen oder andere chemische Stoffe enthalten. Gelangen Gegenstände als Müll in die Umwelt, können sich Materialien mit der Zeit verändern, zerfallen oder unter bestimmten Bedingungen Stoffe freisetzen. Welche Auswirkungen dabei entstehen, hängt stark vom jeweiligen Material und den Umweltbedingungen ab. Die Europäische Umweltagentur weist darauf hin, dass Menschen und Ökosysteme einer Vielzahl unterschiedlicher Chemikalien und Stoffgemische ausgesetzt sein können und längst nicht alle Auswirkungen gleichermaßen gut erforscht sind.
Der Schadstoff-Score im Müll-Quartett ist deshalb ein für das Spiel entwickelter Vergleichswert und keine offizielle wissenschaftliche Messgröße. Für unsere Bewertung betrachten wir unter anderem, welche potenziell problematischen Stoffe ein Gegenstand enthalten kann, ob diese in die Umwelt gelangen können, wie beständig sie dort sind und welche bekannten Auswirkungen sie haben können.
Wo eindeutige und direkt vergleichbare Daten fehlen, kombinieren wir wissenschaftliche Quellen mit nachvollziehbaren Einschätzungen, damit sich die verschiedenen Müllarten im Spiel miteinander vergleichen lassen.
Abgebaut in...
Dieser Wert schätzt, wie lange es dauert, bis ein Gegenstand in der Umwelt weitgehend zerfallen oder aus unserem Blickfeld verschwunden ist. Die Realität ist allerdings komplexer: Zersetzung hängt unter anderem von Temperatur, Sauerstoff, Sonnenlicht, Feuchtigkeit, pH-Wert und mikrobiellem Leben ab. Eine Bananenschale kann sich unter warmen und feuchten Bedingungen deutlich schneller zersetzen als in einer kalten, trockenen oder sauerstoffarmen Umgebung.
Dabei bedeutet „verschwunden“ nicht automatisch „vollständig abgebaut“. Besonders Kunststoffe können sehr lange in der Umwelt verbleiben und durch UV-Strahlung, mechanische Belastung und andere Umwelteinflüsse in immer kleinere Teile zerfallen. Dabei können Mikro- und Nanoplastik entstehen, die sich in Böden, Gewässern und anderen Bereichen der Umwelt verbreiten können. Forschung zeigt außerdem, dass bei der Alterung von Kunststoff auch enthaltene chemische Stoffe freigesetzt werden können.
Da sich die genaue Abbau- oder Zerfallsdauer eines Gegenstands je nach Material und Umweltbedingungen stark unterscheiden kann, sind die Werte im Müll-Quartett vereinfachte Schätzwerte. Für unsere Einordnung nutzen wir verfügbare wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Informationen von Umweltorganisationen und aus der Abfallwirtschaft und vergleichen mehrere Quellen miteinander.
Recycling-Infrastruktur:
Der Recycling-Wert (0–100) ist ein für das Müll-Quartett entwickelter Vergleichswert. Er soll vereinfacht zeigen, wie gut sich eine bestimmte Müllart sammeln und recyceln lässt. Der Wert ist keine offizielle Recyclingquote.
Für die Bewertung betrachten wir vier Fragen. Jede Frage kann bis zu 25 Punkte beitragen:
Gibt es etablierte Verfahren oder Anlagen, die diesen Gegenstand bzw. sein Material zu neuen Produkten verarbeiten können?
Gibt es für Verbraucher leicht zugängliche Sammel-, Rückgabe- oder Entsorgungsmöglichkeiten?
Wie viel dieses Materials wird in der Praxis tatsächlich stofflich recycelt?
Kann das Recycling gegenüber der Herstellung aus neuen Rohstoffen Energie oder Ressourcen einsparen?
Aus diesen vier Bereichen ergibt sich der Recycling-Wert im Spiel. Die Bewertung vereinfacht komplexe Recyclingprozesse, damit unterschiedliche Müllarten miteinander verglichen werden können.